Die (nicht ganz so) lieben Nachbarn

Im August 2015 habe ich mir einen kleinen Schrebergarten zugelegt und war darüber wirklich happy. Endlich wieder einen eigenen Garten! Ich konnte anpflanzen, was ich wollte und mich schön austoben. Naja, also zumindest habe ich mir das so vorgestellt. Leider habe ich nun einen Garten erwischt, wo die Nachbarn nicht ganz so toll sind. Laut eigener Aussage sind sie bereits seit über 30 Jahren da. Und sie hätten ja schon sooo viele kommen und gehen sehen... Tja, mittlerweile weiß ich auch warum. Es liegt eindeutig an ihnen selbst. Alles, was ich mir so vorgestellt habe - das Gärtnern lernen (vor allem wohl auch aus Fehlern wenn mal was nicht wächst), schöne Tage im Garten verbringen, dort chillen, meinen künftigen Kindern eine Fläche zum Spielen bieten außerhalb der Wohnung... daraus wird nichts. Dieser Garten dort zwischen diesen beiden Nachbarn bietet keine Entspannung und kein Lernfeld. Nein, stattdessen klettern die Nachbarn bei jedem kleinen Unkraut - und das ist wirklich nicht übertrieben - über den Gartenzaun und zuppeln in MEINEM im Garten rum. Sobald man sie dann trifft, halten sie einem Vorträge, was man alles zu erledigen hätte, wie man was zu machen hat und wenn man sich dann hinsetzen will, um seinen Garten, der eigentlich ganz in Ordnung aussieht, zu genießen, kriegt man das einfach nicht hin, weil die einen ständig unter Beobachtung haben und am besten noch mitm Kopf schütteln. Jaaaaa oh mein Gott! Da steht doch tatsächlich ein Löwenzahn, mitten auf der Rasenfläche! Sofort ausreißen!!!! Und ach du je, da wächst Schachtelhalm!!! Dagegen müssen natürlich sofortige Maßnahmen eingeleitet werden! Wie mein Nachbar mir erklärt hat, habe er extra, um den Schachtelhalm loszuwerden, den ganzen Garten 2 Meter tief ausgehoben. Ja nee, is klar. Und dann sehen sie schon das Nächste! Verblühte Stauden!!!! Wie kann sowas denn bitteschön angehen?! Man muss jede verwelkte Blume einzeln und sorgfältig abschneiden. Wenn man selbst nicht sofort auf Ansprache reagiert und anfängt zu rennen, machen sie es. Sobald man den Garten wieder verlassen hat, klettern sie über den Zaun, schneiden Blumen und sogar ganze Büsche zurück. Wenn man sagt, dass man das nicht will, kriegt man zu hören: "Ach, wir sind eh schon bei, da machen wir das dann schnell mit.". WILL ICH ABER NICHT!!!! Wie gesagt, alles in allem lässt dieser Garten einfach keine Entspannung zu. 

 

Ich will dabei noch mal betonen, dass ich wirklich kein Messi bin. Mein Garten ist ordentlich angelegt. Alles hat seinen vorgesehenen Platz und ich habe sogar extra alles so angepflanzt, dass jedes Gemüse einen Nachbarn hat, mit dem er sich verträgt. Ich zupfe regelmäßig Unkraut, mähe Rasen, habe die Gartenlaube wieder flott gemacht, die Palisaden gestrichen, Geld investiert in neue Pflanzen, schneide zurück, was abgeblüht ist, kaufe Saisonpflanzen, trenne sogar den Kompost um keine Sachen darin zu haben, die später wieder austreiben und bin allgemein so oft es geht da, neben meinem Vollzeitjob und nun auch trotz Schwangerschaft und wachsenden Bauch. Mit solchen Nachbarn aber ist das zu wenig. Ich kriege gar nicht die Möglichkeit, mich dort reinzufinden und alles weiter so zu gestalten wie ich es möchte. Das ist wirklich traurig. Denn an sich macht es mir wirklich Spaß im Garten zu werkeln. Und es hat mich echt Überzeugungsarbeit geleistet, den Garten überhaupt zu holen. Mein Schatzi war davon nämlich zu Beginn nicht so begeistert.

 

Wenn ich den Garten nun abgeben werde, komme ich mir ehrlich gesagt so vor, als würde ich aufgeben. Aber was soll ich ansonsten machen? Ich habe ja nun oft genug gesagt, dass sie mich bitte machen lassen sollen, ich das alles selbst lernen will usw. Ist ja wahrscheinlich nett gemeint, setzt aber wahnsinnig unter Druck und es ist ja nun wirklich nicht so, als wäre ich nie da oder würde nichts tun. Nur, ich bin halt eben kein Rentner. Ich kann nicht jeden Tag den ganzen Tag im Garten hocken und jede Blüte einzeln abschnibbeln und jedes kleine Unkraut sofort entfernen und muss auch ehrlich sagen, selbst wenn ich die Zeit hätte, würde ich sie weiß Gott wie besser nutzen! Wenn ich damit zum Vorstand gehen würde, Streit anfangen würde, hätte ich im Garten auch keine Ruhe mehr. Jeden Furz würden sie dann melden, mich meiden wie Hundescheiße und ich hätte noch weniger Ruhe.  

18.10.16 07:14

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